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Winnetou zieht ins Winterquartier

Freilichtbühne Mörschied blickt auf erfolgreiche „Corona-Saison“ 

Mit dem Abschied des Sommers ging auch die Spielzeit der Freilichtbühne Mörschied zu Ende. Nach einer sehr bewegten Zeit von Stillstand, Ungewissheit und Hoffnung war das, was die Mörschieder Karl-May-Spieler auf die Beine gestellt hatten, eine bravouröse Leistung. „Wir haben mit Akribie ein Hygienekonzept erstellt und auf unserer Bühnenanlage realisiert. Das war ein wahrer Kraftakt“, so Alexander Klein, Marketingchef der Hunsrücker Freilichtbühne, dessen zweites Hobby neben dem Bühnenspiel es ist, die Hoffnung nie aufzugeben. 

Begeisterte Zuschauer mit VIP-Feeling

Die Zuschauer nahmen die Hygienebedingungen dankend an und hielten sich vertrauensvoll an die Weisungen des Ordnungspersonals. Je Vorstellung konnten maximal 350 Plätze belegt werden, dafür aber saßen alle Zuschauer wie VIPs. Die vorgeschriebenen Abstände erwiesen sich als vorteilhaft, genügend Platz zum Nachbarn, Beinfreiheit und auch keine Sichtbeeinträchtigungen, da vor jeder Sitzreihe eine Reihe frei bleiben musste. „Vor der Kulisse von tausend Menschen zu spielen, war bislang ein großartiges Erlebnis für uns“, so Winnetou-Darsteller Eric Nisius. „Das spornte an, beim Theaterspiel alles zu geben. In der neuen Situation vor weniger Publikum waren wir eingangs etwas irritiert. Doch die Zuschauer in dieser neuen Konstellation belehrten uns eines besseren: Sie waren aufmerksamer, verfolgten alle Szenen genauer und belohnten alle Höhepunkte, Gags und Besonderheiten mit engagiertem Applaus“, so das Fazit von Nisius, bereits seit 14 Jahren in seiner Paraderolle als edler Apatschen-Häuptling Winnetou, die er mit Bravour und Charisma ausfüllt. 

Ein Ölprinz mit Hygienekonzept  

„Der Ölprinz 2.0“ - unter diesem Titel warb die Freilichtbühne Mörschied ab Anfang August für eine Spielzeit im September unter hygienegerechten Bedingungen. Auch die Gastronomie wurde an den Hygieneauflagen ausgerichtet. Mit dem Partner Globus Idar-Oberstein konnte ein entsprechendes Angebot für die Besucher realisiert werden. Die berühmtberüchtigten „Fleischkäs-Weck“ sowie eine vegetarische Variante wurden vom Publikum gerne angenommen. An den noch sommerlich heißen drei Spielwochenenden gab es dazu noch erfrischende Melonen-Becher. Glühwein und heißer Kakao retteten über die drei letzten Spieltage, an denen der Herbst mit Regen und Kälte in den Wilden Westen eingezogen war.

Newcomer und alte Hasen

An vier Wochenenden mit insgesamt zehn Vorstellungen ritten die Blutsbrüder mit Freund und Feind zur Unterhaltung der Besucher über die Karl-May-Freilichtbühne in Mörschied. Das von Regisseur und Ölprinz-Darsteller Marcel Gillmann an die Corona-Situation angepasste Drehbuch mit neuen Szenerien und auch neuen Rollen machte dies in der kurzen Zeit, die zwischen Ungewissheit und Freigabe lag, möglich. „Wir hatten ja schon die Kulissen für das eigentlich vorgesehene neue Stück „Halbblut“ gebaut“, so Gillmann. „Wir wollten aber alle spielen und so zogen wir das Drehbuch vom Vorjahr aus der Kiste. Die Story vom Ölprinzen war allen noch recht geläufig, viele Dialoge saßen noch und wir legten mit den Proben ab Anfang August los.“ Kleine Herausforderungen bestanden in zwei Neubesetzungen, die sich jedoch bis zur Premiere als Glücksgriffe erwiesen. Mit großem Engagement und Spielfreude schwangen sich Benny Engel in der Rolle des Häuptlings Nitsas-Ini und Niklas Worst als Sam Hawkens bis zum Spielfinale zur Höchstform auf und spielten sich in die Herzen der Zuschauer. Königliche Würde und sportliche Eleganz hauchte Engel seiner Häuptlingsfigur mit seiner Darstellung ein. Niklas Worst konnte in seiner Rolle als lustiger Westmann Sam Hawkens einen besonderen persönlichen Erfolg feiern, da er in der ersten Probe richtig Respekt vor dieser Aufgabe bekommen hatte. „Lustig sein und gleichzeitig aber auch eine Kultfigur aus dem Karl Mayschen Kosmos zu verkörpern, das verlangt einem alles ab“ kommentiert er beim Finale der Spielzeit. Hier zeigte sich jedoch der Sportler, der als ehemaliger Schwimmwettkämpfer vom Sprechtraining bis zu Bewegungskoordination und Schauspielunterricht alles durchzog. Ein Gewinn hierbei war das Mitwirken von Profi-Schauspieler Marcus Jakovljevic, der ihm viele Tipps gab. Das Ergebnis war eine brillante Vorstellung als Sam Hawkens, der auch vor einem Bühnenspaß mit roten Unterhosen nicht Halt machte. Das Publikum belohnte diese Szene mit herzlichem Beifall. Jakovljevic war ein echter Gewinn für die Mörschieder Karl-May-Spieler. Er übernahm die ebenfalls vakant gewordene Partie des Schurken „Buttler“, Bösewicht und Bruder des Ölprinzen in der Geschichte – und dies freundschaftlich verbunden im Ehrenamt. Mit seinem Spiel spornte er die gesamte Truppe zu Höchstformen an. „Es war eine der schönsten Saisons, die wir hatten“, so Marlies Doehring, die nach diesen Spielen besonders berührt war. Es war quasi ihr zweiter Bühnenabschied, zu dem sie sich bereits im Vorjahr entschlossen hatte. Auf Bitten hin schlüpfte sie jedoch für die Corona-Version „Der Ölprinz 2.0“ in ihre Lieblings-Figur der „Rosalie Ebersbach“. Fast schon aus der Jacke des Vorjahres gewachsen spielte der 15-jährige Jung-Darsteller Sully Dreher sehr überzeugend und mit coolem Engagement den auf die falsche Fährte gelockten Bankiers-Sohn „Rollins“. Insgesamt verkörperten rund 40 Darstellerinnen und Darsteller Indianer, Westmänner, Siedler und Banditen und boten zusammen Pferden und Wagen ein abwechslungsreiches und buntes Bild. 

Gut aufgestellt für die Zukunft

„Dies war die Feuertaufe“, so das Fazit von Alexander Klein, Marketing-Chef der Freilichtbühne und Verfechter von Hoffnung und Zukunftsvisionen. „Wir sind alle sehr glücklich, diese, mit heißer Nadel gestrickte Corona-Version „Der Ölprinz 2.0“, heil über diese außergewöhnliche Saison gebracht zu haben. Vor allem hat sich unser Hygienekonzept bewährt“, so Klein nach der letzten Vorstellung noch mit der Theaterschminke des Häuptlings Mokaschi im Gesicht. „Finanziell schätze ich, sind wir mit einem blauen Auge davongekommen“ räumt er mit einem Wehmutstropfen ein. „Doch unser Hauptanliegen, den Zuschauern ein paar Stunden Abenteuer und Unbeschwertheit zu bieten, wurde voll erfüllt. Für so viele positive Resonanzen und lobende Worte bedanke ich mich ganz herzlich“, so Klein begeistert von der Schlussvorstellung. Der Moment, in dem der starke Mokaschi samtweich wurde, soll auch nicht vorenthalten werden. Denn in der finalen Grußaufstellung kam seine 4-jährige Tochter im Mini-Mokaschi-Kostüm samt identischer Kriegsbemalung auf die Bühne - und Alexander der Große war überwältigt und voller Vater-Stolz. Es war ein Saison-Ausklang mit Zukunftspotential in zweierlei Hinsicht. Der Verein Karl-May.Freilichtbühne Mörschied e.V. hat sich zum einen auf die neue alles beeinflussende Situation einer Pandemie eingestellt und Konzepte entwickelt, die auch in der Zukunft greifen. Zum anderen kann die Vereinsführung mit Stolz auf eine gut organisierte Jugendarbeit bauen, denn ein Großteil der Laienspielschar besteht aus Jugendlichen und sogar Kindern, wie die kleine Tochter von Mokaschi, die in das Theaterspiel hineinwachsen und den Geist von Karl May durch die Tradition der Mörschieder Karl-May-Festspiele für die Zukunft bewahren. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Deshalb können bereits jetzt schon Karten für die Saison 2021 gebucht werden, bei der das Stück „Halbblut“ nach dem gleichnamigen Roman von Karl May zur Aufführung kommen wird. Wer jetzt schon Karten bucht, hat sie sicher, denn sollten wieder Pandemie-Reaktionen notwendig werden, muss wieder mit weniger verfügbaren Plätzen gerechnet werden. Am Hygienekonzept der Mörschieder rund um die Karl-May-Festspiele soll dies nämlich nicht scheitern. www.karl-may-moerschied.de 




Winnetou zieht ins Winterquartier
Alle auf die Positionen, Abstand halten, das Spiel beginnt!

Mörschied, 29. August.

Noch herrscht reges Treiben, Putzen und Polieren. Sitzt die Perücke, hält die Schminke? Das sind die Dinge, die aktuell die Darsteller bewegen. Es ist die letzte Probe vor der Premiere zu „Der Ölprinz 2.0“. Im Backstage-Bereich der Freilichtbühne Mörschied werden die Sattelgurte nochmals nachgezogen, der Waffenmeister füllt die Platzpatronen ein und auch der Pyrotechniker steht in Position.

 

 

Generalprobe vor Spielstart am 5. September

Ma, ma, brrrrr, neuiii, miauu, wenn ich mich nicht irre, hi, hi, hi“ mit solchen Sprechübungen stimmt sich der junge Sam-Hawkens-Darsteller in seine Rolle ein. Dann: die Fanfare ertönt und Regisseur Marcel Gillmann ruft ein letztes Mal seine Anweisung: „Achtung! Alle auf die Positionen, denkt an Abstand. Wir starten!“ Und schon erfüllt die markante Erzählerstimme von Gordon Piedesack die Luft der Freilichtbühne.

 

 

 

Mit der letzten Samstagsprobe reduzieren sich auch die Spielanweisungen des Regisseurs auf ein Minimum. Drei anstrengende Probenwochenenden liegen hinter den Darstellern, nun das Finale, jetzt muss alles sitzen: Texte, Auftritte, Hintergrundgeschehen der Statisten und vor allem das Mitwirken der tierischen Kollegen, der Pferde.

 

Hygienekonzept und Maskenpflicht

 

Vieles wurde während der Proben-Zeit geleistet. Der Bühnenbau wurde fertiggestellt und es musste vor allem ein Hygienekonzept her, das den Anforderungen in Zeiten einer Viruspandemie standhält. Dazu gehört auch, dass die Spieler Mund-Nase-Masken tragen und auf Abstand achten, sofern sie nicht gerade auf der Bühne sind - bei eingeschworenen Freundschaften oft nicht einfach. 

 

Der Zuschauerbereich wurde ebenfalls ausgerüstet. Auch hier dominieren die hygienesichernden Vorkehrungen. Maskenpflicht auch für die Gäste. Die Tribünenplätze sind so angelegt, dass der notwendige Sicherheitsabstand gewährleistet werden kann – Familien sitzen selbstverständlich zusammen. Deshalb sind pro Vorstellung auch nur 350 Gäste möglich, wo eigentlich Platz für 1.000 Personen wäre. Wer sich also Tickets gesichert hat, sitzt fast wie ein VIP mit individuellem Platzkomfort. Auch Speisen- und Getränke-Angebot wurden entsprechend den aktuellen Vorschriften angepasst. Sicherheits- und Ordnungspersonal koordiniert alle Bewegungen im Publikumsbereich.

 

Freilichtbühnen-Indianer verteidigen Kulturgut

Ein hoher organisatorischer Aufwand liegt hinter den Verantwortlichen. Der erste Vorsitzende Hans-Joachim Klein, gleichzeitig auch Old Shatterhand-Darsteller, unterstreicht das Konzept: „Die Sorge um die Gesundheit aller Beteiligten geht absolut vor. Deshalb sind wir auch nicht wie geplant im Juni mit unserem neuen Stück „Halbblut“ gestartet, sondern unser Regisseur hat das Vorjahres-Stück umgeschrieben, so dass wir mit kurzer Vorbereitungszeit im September dennoch spielen können.“ Alexander Klein, Darsteller des Indianer-Häuptlings Mokaschi und Marketingverantwortlicher der Freilichtbühne, betont die Entscheidung zum Spielen: „Wir haben mit viel Energie einen Weg gefunden, unser geliebtes Hobby trotz allem in diesem Jahr noch ausüben zu können. Es macht einfach Spaß, unsere Zuschauer, die teilweise schon seit 30 Jahren unsere Stammgäste sind, mit unserem Spiel zu unterhalten. Außerdem sind die Themen des Abenteuerschriftstellers Karl May heute aktueller denn je. So bieten wir gleichzeitig Unterhaltung und Spannung und vermitteln dazu auch noch gesellschaftliche Werte. Denn die Handlungsstränge bewegen sind um Freundschaft, Toleranz, Hilfsbereitschaft und Völkerverständigung.“ 

 

 

Genau wie bei den großen und renommierten Karl-May-Bühnen, so hat auch die Freilichtbühne Mörschied in den nun schon 31 Jahren ihres Bestehens ihren Platz im regionalen kulturellen Leben gefunden. Einen großen Anschub dazu leistete die 2019 von den Mörschiedern initiierte Karl-May-Messe in Idar-Oberstein, die erste ihrer Art in Deutschland. Hier wurden Netzwerke und Freundschaften gegründet, die „sicherlich auch den aktuellen Aktivitäten während des Corona-Lockdowns einen Vorschub geleistet haben“, so Alexander Klein.

 

Mit Kreativität aus dem Lockdown

Die jeweiligen Absagen der Sommersaison waren allerdings für die einzelnen Freilichtbühnen noch lange kein Grund, zu resignieren. Mit Energie und Kreativität sagte man Corona den Kampf an. „Wenn nicht live, dann online“, so die Devise. Über die sozialen Medien blühte ein wahrer Boom an Karl-May-Beiträgen auf: Online-Lesungen, Videosequenzen und Fotostrecken erreichten so ganz schnell einen großen Konsumentenkreis. Lesesequenzen aus Karl-May-Klassikern wie „Der Ölprinz“ oder „Old Firehand“ wurden online gestellt. Und die Herzen der Freilichttheater-Fans schlugen wieder höher. Mit den ersten Lockerungen reagierten einzelne Bühnen sogleich wieder mit Präsenz-Veranstaltungen wie Führungen für kleine Gruppen, bei denen auch sonst nie einsehbare Backstage-Bereiche besucht werden konnten. Andere boten Stuntshows und wieder andere kreierten sogar Aufführungen mit Lokalkolorit.

 

Für die Mörschieder Freilichttruppe ergaben sich ganz besondere Highlights, denn gleich drei der Hauptdarsteller durften unter der Regie des „Kalkberg-Reporters“ aus der Hochburg Bad Segeberg bei den Lesungen mit dabei sein: Alexander Klein, Marcel Gillmann und der Mörschieder Winnetou-Darsteller Eric Nisius. Hinzu kam dann noch, dass der Schauspiel-Profi Marcus Jakovljevic sein Mitwirken zugesagt hat – und das ehrenamtlich. Denn für die Vereinsführung der Karl-May-Bühne aus dem Hunsrück bedeutet der Ausfall einer Sommersaison gleichzeitig auch das Ausbleiben von Einnahmen. So sehen Vereinsführung und Darsteller-Crew nun doch noch hoffnungsvoll einer Saison im September entgegen.

 

Austausch-Banditen und Newcomer

Eine Saison mit einer Terminverschiebung von drei Monaten zu starten, bedeutet für eine Laienbühne wie in Mörschied auch die Frage: wer hat überhaupt im September Zeit? Denn Laienspieler führen nun mal auch ein ziviles Berufsleben, das sich oftmals nicht nach Wild-West im September richtet. So war die Zusage von Profi-Schauspieler Jakovljevic als Austausch-Bandit ein rechter Gewinn. Trotz Bühnenabschied im Vorjahr war auch Marlis Doehring wieder bereit, als Rosalie Ebersbach durch die Mörschieder Prärie zu ziehen. Als Newcomer mit dabei sind Niklas Worst, der sich in Sam Hawkens verwandelt und Benny Engel, der mit viel Ausstrahlungskraft und Häuptlingswürde die Rolle des Nitsas-Ini verkörpert. 

 

Indianer-Sommer vom 5. bis 27. September

 

4 Wochen Proben im August liegen nun hinter uns. Es war ambitioniert, noch im Juni sagten wir das geplante neue Stück ab und erst mit den offiziellen Lockerungen machte ich mich an den Umbau von „Der Ölprinz“ - das Stück vom Vorjahr. Denn Abläufe und Texte sitzen noch bei den gesetzten Darstellern. Und die Neuen haben alles gegeben, um sich schnell – und erstaunlich gut – in die Rollen einzufinden. Ich bin sehr zufrieden und zuversichtlich, dass alles so funktioniert wie geplant.“ so das Fazit von Regisseur Marcel Gillmann. „Das einzige, was ich immer wieder wiederhole ist der Appell „Masken auf und haltet Abstand, nur so können wir uns und andere schützen und im September spielen!“.

 

Kartenbuchung online – einfach, schnell und sicher

Wer also bislang noch keine Karte hat, der sollte schnell buchen: www.karl-may-moerschied.de oder www.ticket-regional.de.

 

Am Samstag, 5. September ist Premiere für „Der Ölprinz 2.0“. In der vorgerückten Jahreszeit hat man den Beginn der Abendvorstellungen samstags – und auch an zwei Freitagen – auf 19:30 Uhr vorverlegt. Sonntags beginnen die Vorstellungen wie gewohnt um 15:00 Uhr. Mit dem Klassiker „Der Ölprinz“ beschert die Freilichtbühne Mörschied ihren Zuschauern wieder gute zwei Stunden Abenteuerromantik mit Winnetou und Old Shatterhand – und nicht zu vergessen mit den maskierten Bösewichten.

 

Gute Sicht auf allen Plätzen und Barrierefreiheit

Trotz aller Schutzvorkehrungen hat die gute Sicht auf allen Plätzen der Mörschieder Freilichtbühne nichts eingebüßt. Im Gegenteil: wenige Zuschauer mit größerem Abstand versprechen eher eine noch bessere Sicht auf die Szenerie im Hunsrücker Wilden Westen. Die bekannte Barrierefreiheit besteht weiterhin, im Tribünenzugang wie zu den Sanitär- oder Gastronomiebereichen. Auch Parkplatz ist ausreichend vorhanden.

 

 

 

 

Alle auf die Positionen, Abstand halten, das Spiel beginnt!
Probenstart „Der Ölprinz 2.0“

Masken auf und Abstand halten!

 Mörschied, 38 Grad und pralle Sonne auf der Prärie der Freilichtbühne in Mörschied. Plötzlich schallt der Ruf des Banditen zum Angriff: „Masken auf und haltet Abstand!“Bei dieser ersten Probe zur Aufführung „Der Ölprinz 2.0“ mussten alle Beteiligten unweigerlich lachen. Wie realitätsnah ist doch in der heutigen Situation gerade diese Passage aus dem Regiebuch der Mörschieder Karl-May-Freunde. Trotz der heißen Außentemperaturen sieht man den Darstellern die Spielfreude an. Denn seit den Coronabeschränkungen bangte man um den Freilichtspiel-Sommer in Mörschied. Das geplante neue Stück „Halbblut“ mussten sie schweren Herzens aufs nächste Jahr verschieben. „Zu gewagt für eine Sommer-Saison! Die Gesundheit aller Beteiligten hat bei uns absoluten Vorrang“, so der erste Vorsitzende und Old Shatterhand-Darsteller Hans-Joachim Klein. „Doch wir wären keine rechten Pfadfinder, hätten wir nicht eine Möglichkeit geschaffen, unser geliebtes Hobby doch noch ausüben zu können“, so Alexander Klein. Er ist eigentlich derjenige, der die dramatischen Rollen spielt. Doch für Dramatik war kein Platz, Sicherheit und sorgsame Planung waren angesagt. Ein engmaschiges Hygiene-Konzept wurde erarbeitet, wonach alle Aktivitäten auf der Bühne ausgerichtet wurden. Dann gab es „grünes Licht“ für eine Spielzeit im September. „Mit 4 Wochen Proben im August schaffen wir zwar kein neues Stück. Aber: Wir bauen „Der Ölprinz“ - das Stück vom Vorjahr - um, denn Abläufe und Texte sitzen noch. Die Darsteller-Szenen auf Abstand zu trimmen war nicht einfach, doch es funktioniert“, so Regisseur Marcel Gillmann beim Probenauftakt.

 Spielplan mit Hygienekonzept

Mit viel Engagement und Disziplin steht nun die Laien-Spieltruppe bereits nach erfolgreichem Probenstart vor dem nächsten Proben-Wochenende, bei dem bereits die Pferde mit dabei sind. Dann folgt die Pyro, das heißt es wird auch rundherum knallen und rumsen, so wie man das seit 30 Jahren auf der Freilichtbühne geboten bekommt, wenn Karl May auf dem Spielplan steht.

Nicht nur die Sonne war beim Probenauftakt steter Gast, sondern auch die ständige Aufmerksamkeit auf Händewaschen und Abstandseinhaltung. Auch neue Gesichter waren mit dabei. Eines davon gehört dem Schauspieler Marcus Jakovljevic, dem Banditen- Darsteller, der seinen Kumpanen das Kommando „Masken auf und Abstand halten“ in die Gluthitze der Möschieder Prärie zurief. Der Profi ließ es sich nicht nehmen, die Mörschieder Karl-May-Spieler für September zu unterstützen. Man kennt und schätzt sich seit der Karl-May-Messe im vergangenen Jahr. „Da bin ich auf diese Karl-May-Bühne aufmerksam geworden“, so Jakovljevic, der von der befreundeten Karl-May-Bühne in Burgrieden kommt. „Eigentlich war ich davon begeistert, dass diese Truppe als erste Freilichtbühne überhaupt eine Karl-May-Messe auf die Beine gestellt hatte. Und dann hörte ich auch noch deren Winnetou-Darsteller sprechen. Da war ich erst recht beeindruckt“, so sein Antritts-Statement, als er sich zur ersten Probe dem versammelten Darsteller-Team vorstellte. Das sorgte bei allen sofort für helle Begeisterung und Ansporn zum Proben. Denn alle Hauptdarsteller und Statisten sind reine Hobby-Indianer, und haben ihre Freizeit dem Karl-May-Freilichttheaterspielen gewidmet.


Karl-May im September 2020 

Nun kann es also losgehen. Am Samstag, 5. September ist die Premiere für „Der Ölprinz 2.0“. In der vorgerückten Jahreszeit hat man den Beginn der Abendvorstellungen samstags – und auch an zwei Freitagen – auf 19:30 Uhr vorverlegt. Sonntags beginnen die Vorstellungen wie gewohnt um 15:00 Uhr. Mit dem Klassiker „Der Ölprinz“ beschert die Freilichtbühne Mörschied ihren Zuschauern wieder gute zwei Stunden Abenteuerromantik mit Winnetou und Old Shatterhand – und nicht zu vergessen mit den maskierten Bösewichten.

 350 Zuschauer pro Vorstellung

Das Hygienekonzept lässt pro Vorstellungen 350 Zuschauer zu. So ist man auf der sicheren Seite, der laufenden Pandemie entgegenzuwirken. Old Shatterhand und Winnetou haben also nicht nur den Karl-Mayschen Schurken den Kampf angesagt, sondern setzen sich auch dafür ein, dass an der Corona-Front alles Mögliche getan wird, um für alle Beteiligten ein hygienisch sicheres Umfeld zu schaffen. In dem Freilichttheater, das im Normalfall gut 1.000 Zuschauer fasst, werden nun lediglich ein Drittel platziert - also für diejenigen, die eine Karte ergattern, ist dies fast wie eine Privatvorstellung. Auch im angeschlossenen Gastronomiebereich herrscht dann so was wie VIP-Atmosphäre, wobei jedoch auch beim Speisen- und Getränke-Angebot das Hygienekonzept greift. „Aber immerhin: Besser als gar keine Karl-May-Festspiele“, so ein Fan der Mörschieder Bühne. „Unsere Tickets haben wir online gekauft über Ticket- Regional. Am Bildschirm kann man sich bequem auf dem Sitzplatzplan seine Plätze aussuchen – und fertig. Besonders gut finden wir, dass man als Familie zusammensitzen darf.“ Genau so funktioniert das Hygienekonzept für die Sitzplatzbuchung: Familien sitzen im Verbund, dann folgt automatisch ein Hygieneabstand zu den nächsten Buchungen.

 Gute Sicht und Barrierefreiheit

Noch sind Plätze frei. Die Spielfläche der Mörschieder Freilichtbühne hat den Vorteil, dass sie von allen Sitzplätzen der Tribüne gut einsehbar ist. Keine störenden Lichtmasten oder sonstigen Bauteile. Auch Barrierefreiheit besteht, im Tribünenzugang wie zu den Sanitär- oder Gastronomiebereichen. Auch Parkplatz ist ausreichend vorhanden.

 Mit Westmann-Qualität gegen Corona

Mit diesem Konzept hat die Mörschieder Karl-May-Bühne ähnlich wie auch die anderen Freilichtbühnen in Deutschland und in den benachbarten Ländern, einen Weg gefunden, ihren Fans dennoch die Sehnsucht nach den Karl-May-Stücken zu erfüllen. Stilecht wie in den Abenteuerromanen, wurden kreative Wege gefunden, die fast mit der legendären „Findigkeit eines erfahrenen Westmannes“ zu vergleichen sind. Die einen bieten für kleine Gruppen Führungen über die Bühne inklusive heiligem Backstage-Bereich an, die anderen zeigen Stuntshows und wieder andere kreierten sogar Aufführungen mit Lokalkolorit. Besonders wirkungsvoll und mit schon viralem Charakter war die Online-Lesungsreihe aus Original-Werken, bei der sich alle aktiven und ehemaligen Karl-May-Bühnenspieler als Leser von einzelnen Passagen mit individueller Gestaltung kreativ einbrachten. Auch die drei Darsteller der Mörschieder Karl-May-Bühne: Alexander Klein, Marcel Gillmann und Eric Nisius waren mit ihrem Lese-Beitrag dabei. Alles in allem: eine runde Sache, bei der die Bühnen gemeinsam einen Schulterschluss gegen Corona bildeten.

 

 

Probenstart „Der Ölprinz 2.0“
Ritterschlag für Karl May Festspiele Mörschied: Profi-Schauspieler wird Traum-Bandit!

Bereits seit Mitte Juli freute sich die Darsteller-Truppe der Mörschieder Karl-May-Freilichtbühne, nun im September doch noch spielen zu dürfen. Der Hygiene-Kriegsplan der Organisatoren machts möglich. Viele helfende Hände räumten und fegten über die Bühnenanlage, um alles für das Publikum vorzubereiten. „Nun wird es ein richtiger Indian-Summer“, hört man es in den Reihen der Laien-Schauspieler.

 

Die nächste gute Nachricht schlug ein wie eine Bombe: „Marcus Jakovljevic hat für „Der Ölprinz 2.0“ zugesagt!“ – Marketingchef Alexander Klein sprudelte begeistert diese Information in die Runde des „inner cercle“ der Organisatoren. Danach ging es rund wie ein Lauffeuer. Vor allem die Damenwelt der Mörschieder Karl-May-Szene reckte sich sofort hoch vom Unkrautjäten, stoppten das Herrichten der Kostüme und ließen sogar vom ofenfrischen Kirschstreusel-Kuchen ab: „Marcus Jak…, von unseren Freunden auch Burgrieden!“ Ja, obwohl der Nachname von Markus Jakovljevic für Hunsrücker Zungen schwierig auszusprechen ist, der Eindruck, den der charismatische „Traum-Bandit“ an der ersten Karl-May-Messe im Vorjahr bei den Mörschieder Karl-May-Spielerinnen und -Spielern hinterlassen hat, war sehr nachhaltig.

 

Genau diese positiven Kontakte, deren Grundstein 2019 an der Karl-May-Messe gelegt wurden, waren es, die die neue Personalentwicklung in Mörschied möglich gemacht haben. Eine echte Karl-May-basierte Freundschaft ist entstanden, die die beiden Freilichtbühnen kooperativ verbindet. „Ich bin davon beeindruckt, wie man in Mörschied die Werte, die Karl May vermitteln wollte, wirklich lebt und man für das Aufführen von Karl May-Inszenierungen mit enormem Feuer brennt. Das hat mich fasziniert“, so Marcus Jakovljevic in einem Interview, das er sogleich bei Bekanntwerden der Entscheidung auch dem digitalen Fan-Magazin „Wild-West-Reporter“ gab.

 

Zu diesem Lob von professioneller Stelle kommt noch ein weiterer Ritterschlag. Er betrachte sein Engagement bei der Freilichtbühne in diesen Spätsommer als Ehrenamt. „Das heißt, er spielt ohne Gage!“, so Alexander Klein ehrfürchtig und stolz zugleich „das ist ein riesengroßer Freundschaftsbeweis. Wir fühlen uns unendlich geehrt und dankbar, einen solchen Profi in unseren Reihen begrüßen zu können!“ Der eigentlich aus der Eifel stammende „Burgriedener“, wie man ihn der Einfachheit halber vorweg mal in Mörschied nennt, freut sich seinerseits ebenfalls darauf, trotz aller Absagen und Saisonverschiebungen, nun doch noch spielen zu können. „Ein Sommer ohne Karl May geht eigentlich nicht“, so Jakovljevic, der selbst als diplomierter Schauspieler trotz vieler Film-, Fernseh- und auch Theater-Engagements (SOKO Köln, Tatort, Alarm für COBRA 11, Hubert und Staller,…) immer wieder von der besonderen Aura eines Karl-May-Festspielsommers begeistert ist.

 

Ich bin da völlig sicher: der Karl-May-Virus ist viel stärker als Corona,“ so Marcel Gillmann als Regisseur und Buchautor von „Der Ölprinz 2.0“, „denn die Botschaften von Winnetou und Old Shatterhand berühren die Herzen“. „Und in diesem Sinne wollen wir gerade in der September-Saison spielen, was das Zeug hält“, so Gillmann. Denn er wird wieder in die Paraderolle des Oberschurken, Ölprinz „Grinley“, schlüpfen. Und dann hat er Marcus Jakovljevic an seiner Seite – als „Traum-Schurke“, so wie ihn die Damenwelt in den Jagdgründen von Mörschied bereits nennt.

Am Rande sei zu bemerken, dass im September alle Darstellerinnen und Darsteller, gleich ob Amateur oder Profi, alle ehrenamtlich die 10 Vorstellungen spielen, ganz abgesehen von dem zeitlichen Aufwand für das Herrichten der Bühne und den Proben ab 8. August. Das ist wahres Herzblut, das die Karl-May-Spieler hier aufbringen. Denn sie wollen allen schwierigen Umfeldbedingungen trotzen und ihren Fans wieder zwei Stunden Karl-May-Abenteuer bieten. In diesem Jahr mitten im Indian-Summer, mit einem brillanten Vollblut-Schauspieler, mit Hygiene- und Sicherheitskonzept und mit den Karl-May-begeisterten Laien-Darstellern der Freilichtbühne Mörschied e.V. So viel Engagement soll belohnt werden, denn pro Vorstellung können 350 Zuschauer das Wild-West-Abenteuer um „Der Ölprinz 2.0“ miterleben! Informationen und online-Kartenbestellung: www.karl-may-moerschied.de

Ritterschlag für Karl May Festspiele Mörschied: Profi-Schauspieler wird Traum-Bandit!
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